Zum Hauptinhalt springen
Drucken

Aktives Karenzmanagement

Unter Karenzmanagement verstehen wir in erster Linie einen strukturierten unternehmerischen Prozess, der vorgibt, was von den Beteiligten vor, während und nach einer Karenz zu tun ist. Als aktiv bezeichnen wir ein Karenzmanagement dann, wenn Informationen proaktiv für die Beteiligten vom Unternehmen bereitgestellt werden und während der Karenz der Kontakt zur karenzierten Person gehalten wird, um Bedürfnisse auf beiden Seiten kontinuierlich zu kommunizieren und aufeinander reagieren zu können. Die karenzierte Person stimmt dem Austausch während der Karenz vorab zu.

Elternschaft sollte in diesem Prozess als Norm betrachtet und die betrieblichen Strukturen entsprechend danach gestaltet werden. Die Positionierung als familienfreundliches Unternehmen erhöht die Arbeitgeber*innenattraktivität und sorgt für die langfristige Bindung von Mitarbeitenden.

 

Folgende Schritte können Unternehmen gehen, um ihr Karenzmanagement nach den Bedürfnissen ihrer Mitarbeiter*innen auszurichten:

  • Verabschiedung von geschlechterspezifischen, normativen Rollenerwartungen hinsichtlich der Aufteilung von Erwerbsarbeit und Betreuungspflichte
  • Abschied von der Vollzeitnorm und Anpassung der Arbeitsbedingungen an die Familiensituation (flexible Arbeitszeiten, Home Office, Besprechungen in der Kernarbeitszeit, Möglichkeit zur Teilzeitbeschäftigung, Kinderbetreuungsangebote)
  • Abbau des Vorurteils, dass Elternschaft einen negativen Effekt auf die berufliche Leistung hat und Joborientierung von Eltern und Loyalität gegenüber dem Betrieb nicht infrage stellen (Neueinstellung von Eltern, Berücksichtigung von Eltern bei internen Bewerbungen, Verlängerung befristeter Dienstverträge)
  • Einhaltung der bestehenden Antidiskriminierungsgesetze und Elternrechte (Wiedereinstieg in gleicher (Führungs-)Position, Väterkarenz)
  • Berücksichtigung der durch Elternschaft erworbenen sozialen Kompetenzen im Rahmen der beruflichen Tätigkeit (vergleichbar mit dem Erwerb sozialer Kompetenzen im Rahmen von Führungskräfteweiterbildungen)

 

Quelle: L&R Sozialforschung und Gleichbehandlungsanwaltschaft: parents@work / Eltern am Arbeitsplatz / Zwischen Vereinbarkeit und Diskriminierung (Wien, 2021)

Abbildung: www.kompass-ooe.at, Checkliste Elternkarenz