Sprache schafft Wirklichkeit – aber wie funktioniert geschlechtergerechtes Sprechen?
Wenn von geschlechtergerechtem oder geschlechterinklusivem Sprechen die Rede ist, geht es darum, die Vielfalt gesellschaftlicher Realitäten in der Sprache sichtbar zu machen. Traditionelle Formulierungen werden dabei zunehmend durch zeitgemäße und vielfältige Anreden ergänzt, die mehr Möglichkeiten bieten als das herkömmliche „Sehr geehrte Damen und Herren“. Geschlechtergerechte Sprache trägt dazu bei, dass sich alle Menschen gleichermaßen angesprochen und wertgeschätzt fühlen – unabhängig davon, welchem Geschlecht sie sich zugehörig fühlen. Ziel einer inklusiven Sprache ist es, allen Menschen im gesellschaftlichen Sprachraum gleichermaßen Raum zu geben.
Im Deutschen eignet sich für die Abbildung und Inklusion aller Geschlechterdimensionen beispielsweise das sogenannte Gender-Sternchen, der Unterstrich oder der Doppelpunkt:
So wird aus Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen (binäre Geschlechterdimension) -> Arbeitnehmer*innen, Arbeitnehmer_innen oder Arbeitnehmer:innen (diverse Geschlechterdimension).
In der schriftlichen Kommunikation setzt sich diese Inklusivität immer mehr durch. Doch wie lässt sich das in die mündliche Kommunikation übernehmen? Hierfür eignet sich die deutsche Sprache besonders gut:
Das Gender-Sternchen, der Unterstrich oder der Doppelpunkt werden im Sprechen als kurze Pause vokalisiert. Dieser Laut wird „Glottisschlag“ genannt und kommt im Deutschen in vielerlei Worten vor – zum Beispiel beim Wort „Spiegelei“. Hier lässt man eine kurze Pause nach dem „Spiegel-“, bevor man zum „-ei“ kommt. Dieselbe Mechanik, der Glottisschlag, kommt beim Aussprechen des Gender-Sternchens, des Unterstrichs oder des Doppelpunkts zur Anwendung:
Arbeitnehmer (kurze Pause)* innen.
Der Glottisschlag ist bereits Bestandteil der deutschen Sprache und fühlt sich nicht „fremd“ an. Häufiger Kritik zum Trotz erleichtert er das Erlernen und die Akzeptanz des gesprochenen Genderns. Durch die bereits vorhandene Verankerung in der deutschen Sprache kann er relativ leicht und intuitiv genutzt werden.
Quellen und weitere Literatur: